Modul 6e – Ausbildungsabbruch und Vorbeugung

  
 Gründe für einen Abbruch der Ausbildung
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In vielen Berufsausbildungen gibt es eine allzu hohe Abbruchquote. Dies schadet nicht nur dem Unternehmen, das in den Auszubildenden investiert hat. Jugendliche ohne Ausbildung haben ein wesentlich höheres Risiko eines Lebens am Rande des Arbeitsmarktes. Rund 20% aller Ausbildungsverhältnisse in Deutschland werden vorzeitig beendet.

Ein Teil der Ausbildungsabbrüche geschieht schon während der Probezeit. Aber auch der Übergang zur Ausbildung im Betrieb nach längerem Blockunterricht in der Berufsschule ist eine anfällige Phase.

Es können Unstimmigkeiten zwischen den Erwartungen des Jugendlichen und der Wirklichkeit in der Berufswelt eintreffen. Man spricht von einem "Praxisschock".

Daher sollte der Ausbilder so früh wie möglich eingreifen. Er kann
  • einem Ausbildungsabbruch vorbeugen,
  • bei der Wahl eines anderen Ausbildungsberufes beraten,
  • den Jugendlichen aktiv in der Ausbildung unterstützen.

Informieren Sie sich unter www.abi.de.

  
 Auszubildende mit Migrationshintergrund
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In einigen Berufsausbildungen ist die Abbruchquote bei mehrsprachigen Jugendlichen leider besonders hoch. Aber die Gruppe von Immigranten und deren Nachkommen ist vielschichtig. Daher sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass alle die gleichen Barrieren bei der Durchführung ihrer Ausbildung erleben. Es gibt also keine Standardlösung zur Verhinderung eines Ausbildungsabbruchs.

Grob gesagt, lassen sich vier Gruppen von Auszubildenden mit Migrationshintergrund unterscheiden:
  • die „Angepassten"
  • die „Selbstbewussten"
  • die „Verdrängenden"
  • die „Isolierten"
Diese vier Gruppen agieren unterschiedlich in Bezug auf betriebliche Arbeitsformen und damit auch auf die Durchführung ihrer betrieblichen Ausbildung.

Es gibt gute Gründe dafür, den Fokus auf das Festhalten an der Ausbildung zu legen: Zahlen aus Dänemark von 2007 zeigen, dass die Beschäftigung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne Ausbildung bei 45 % liegt, wohingegen sie auf 75 % steigt, wenn mehrsprachige Jugendliche eine Ausbildung absolviert haben.

Worauf man bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund achten sollte, um einem Ausbildungsabbruch vorzubeugen, finden Sie ausführlich im Modul 6d – Kulturelle Unterschiede.
  
 Dem Ausbildungsabbruch vorbeugen
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Ein bedeutender Teil aller Ausbildungsabbrüche hat mit der Ausbildung im Betrieb zu tun. Oftmals liegt es an einem negativen Betriebsklima, dass der Jugendliche aufgibt.

Feedback-Gespräche können dazu beitragen, einem Abbruch vorzubeugen. Das Gespräch sollte ein Dialog sein, in dem sowohl der Auszubildende als auch der Ausbilder zu Wort kommen.

Es ist wichtig herauszufinden, ob der Auszubildende sich wohlfühlt. Fragen Sie auch, ob er Vorschläge zur Verbesserung des Betriebsklimas im Zusammenhang mit der Ausbildung hat.
  
 Über berufliche Möglichkeiten beraten
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Beachten Sie bitte den Unterschied zwischen einem Abbruch und einem Wechsel der Ausbildung.

Es kann zum Beispiel sein, dass der Jugendliche sich für eine neue Ausbildung entscheiden will, weil die Branche nicht zu ihm passt. Dann muss er besonders gut beraten werden, um festzustellen, wo Kompetenzen und Wünsche liegen und wie diese zu den realistischen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt passen.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet eine entsprechende Beratung an und stellt auch Materialien zur Verfügung, damit der Jugendliche erkennt, mit welchen Berufen seine Interessen in Einklang gebracht werden können.

Beispiel eines mittelgroßen Unternehmens, das unter anderem Bürokräfte ausbildet:
"Wir hatten nur eine Auszubildende, die uns vorzeitig verlassen hat. Sie wollte lieber in eine Branche, in der ‚man weniger sitzt’, wie sie sagte, und das mussten wir ja akzeptieren."
  
 Den Auszubildenden aktiv in die Ausbildung einbinden
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Ein gutes Betriebsklima trägt positiv zum Verlauf der Ausbildung bei. Aber was bedeutet das aus der Sicht der Jugendlichen?

Hier die Resultate einer Untersuchung bei Auszubildenden in den Bereichen Tourismus sowie Hotel und Gaststätten. Fünf Faktoren sind entscheidend:
  1. Entwicklung im fachlichen Bereich
  2. Förderung der Selbstständigkeit
  3. individuelles Ausbilden
  4. gesehen werden
  5. menschlicher Respekt
  
 Feedback-Gespräche
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Achten Sie bei Feedback-Gesprächen auf Folgendes:
  • Ein Gespräch ist ein Dialog, kein Monolog.
  • Führen Sie regelmäßig Gespräche mit Ihrem Auszubildenden, mindestens einmal pro Ausbildungsabschnitt, gerne auch in festen zeitlichen Abständen, zum Beispiel einmal pro Monat.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung und einen passenden zeitlichen Rahmen (30 bis
    60 Minuten einplanen).
  • Notieren Sie sich vorab Stichworte über die Themenbereiche, die angesprochen werden sollen.
  • Fragen Sie den Auszubildenden, ob er bestimmte Themen besprechen möchte.
  • Beginnen und beenden Sie das Gespräch mit etwas Positivem.
Das Gespräch sollte vom Ausbilder geleitet werden. Das heißt, leiten Sie es auf eine positive Weise ein, führen Sie es so, dass beide zu Worte kommen, und runden Sie es konstruktiv ab.

Mehr zum Thema Feedback-Gespräche finden Sie im Modul 5d – Feedback.
  
 Schulkultur kontra Arbeitsplatzkultur – ein "Praxisschock"
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Als Erwachsener weiß man, dass ein Unterschied besteht zwischen der Schulbank und der Berufswelt. Aber für einen jungen Menschen kann der Eintritt in die Berufswelt einen "Kulturschock" bedeuten.

In der (Berufs-)Schule liegt der Schwerpunkt auf dem Lernen und der Theorie, im Unternehmen ist das Wichtigste die Produktion. In der Schule lernt man, warum man in der Praxis etwas macht. Im Betrieb muss produziert werden, um Umsatz zu erzielen.

In der Schule ist der Schüler wahrscheinlich viel mit anderen Schülern zusammen und alle sind gleichgestellt. Im Betrieb ist er vielleicht der einzige Auszubildende und in der Hierarchie unten angesiedelt. Die meisten Kollegen werden erfahrener im Fach sein. Der Auszubildende ist davon abhängig, von den Kollegen und vom Ausbilder lernen zu können.

Der Auszubildende muss also mehrmals während seiner Ausbildung von einer Rolle in eine ganz andere wechseln. Gleichzeitig muss er neue Regeln befolgen: fachliche Anforderungen sowie geschriebene und ungeschriebene Gesetze.
  
 Ausbilden im Verbund
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Eine Ausbildung im Verbund mit anderen Unternehmen kann helfen, dem Jugendlichen eine abwechslungsreiche und fundierte Ausbildung zu bieten. Informationen zur Ausbildung im Verbund finden Sie im Modul 2f – Die Ausbildungsgenehmigung.

6 – Das Umfeld des Azubis

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