Modul 6d – Kulturelle Unterschiede

  
 Jugendliche mit Migrationshintergrund
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"Wir schauen auf Qualifikationen, nicht auf Namen"
Die Anzahl Jugendlicher mit Migrationshintergrund steigt. Die Branchen werden in Zukunft einen starken Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften haben. Es dreht sich also darum, schon jetzt Auszubildende anzuwerben, unabhängig von der ethnischen Herkunft.

Alle haben nämlich etwas zu bieten, und die Unternehmen bekommen größere Wahlmöglichkeiten. Inzwischen ist es oft so, dass Personalleiter auf Qualifikationen schauen, nicht auf Namen.

Leider sind es oftmals negative Berichte über Auszubildende mit Migrationshintergrund, die verbreitet werden. Negative Beispiele gibt es natürlich, genau wie bei deutschen Auszubildenden. Man hört jedoch selten positive Berichte.

Aus diesem Grund wurde 2006 in Dänemark eine Sammlung von Berichten aus Unternehmen veröffentlicht, die sich positiv über ihre Auszubildenden äußern.

Beispiel Malerfirma Ove Laursen & Søn, Abyhoj (Dänemark)


Die Firma hat zwischen neun und zwölf Mitarbeiter, davon drei Auszubildende. Der volljährige Abdel ist einer von ihnen.

”Es ist schön zu sehen, dass er unabhängig von der Art der Aufgabe sagt: 'Das mache ich.' Genau das macht nämlich einen guten Handwerker aus. Abdel ist fleißig, arbeitet konzentriert – er kümmert sich um alles.

Wenn er etwas für mich machen kann, tut er's. Auch wenn es sich um Überstunden dreht, selbst als sie einmal nachts gemacht werden mussten – er ist sofort da.

Letztes Jahr habe ich Weihnachtspost von einem Kunden bekommen, für die Abdel eine Aufgabe im August des Jahres ausgeführt hatte. Der Kunde schickte ein Foto von Abdel mit einem Dank für gute Arbeit.

Wenn ein ausländischer Mitarbeiter kommt, wird nämlich genau darauf geschaut, ob der was schafft. Fremde müssen ihren Wert beweisen. Ich bin davon überzeugt, dass Abdel dazu beiträgt, bei meinen Kunden Vorurteile abzubauen."
  
 Sprache
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Viele werden überrascht sein, wenn sie hören, dass Einsprachigkeit eine Ausnahme ist. Zwei- oder Mehrsprachigkeit existiert wie selbstverständlich in Gesellschaften mit verschiedenen sprachlichen oder ethnischen Gruppierungen.

Deutsche Sprachkenntnisse sind oft die wichtigste Anforderung an "neudeutsche" Auszubildende.

Ein Sprachlehrer aus dem „Aarhus Sprogcenter“ über die Sprachkenntnisse von zweisprachigen Mitarbeitern am Arbeitsplatz:
"Es kommt oftmals nicht darauf an, was die Migranten sprachlich objektiv können. Es kommt eher darauf an, was die Kollegen und der Chef akzeptieren wollen und wie der Mitarbeiter seine Kompetenzen einsetzt."

Ihre sprachlichen Anforderungen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Unterstützung von zweisprachigen Auszubildenden und Mitarbeitern durch zusätzlichen Unterricht. Klären Sie vor der Einstellung Ihren Bedarf:
  • Welche Fachausdrücke sind wesentlich?
  • Soll man deutsche Texte lesen können, zum Beispiel Ihre betriebsinternen Informationen oder Kundenaufträge?
  • Soll man auf Deutsch schreiben können? Falls ja, in welchem Umfang und auf welchem Niveau?
Klären Sie im Einstellungsgespräch, ob und wie der Auszubildende sprachlich fortgebildet werden muss. Fragen Sie, ob er damit einverstanden ist. Er sollte nämlich sein sprachliches Niveau einschätzen können und gerne mehr Deutsch lernen wollen.

Erkundigen Sie sich an der Berufsschule und bei Sprachlehranstalten und Weiterbildungsinstituten nach Möglichkeiten für zusätzliche Sprachtrainings im Betrieb.
  
 Religion
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Es braucht kein Tabu zu sein, über Religion zu sprechen. Vielleicht kostet es Überwindung, etwas zu fragen, was als Privatsache angesehen wird. Aber mit Respekt und Rücksicht können wertvolle Gespräche entstehen.

Die Arbeitgeber möchten natürlich nicht, dass religiöse Handlungen Arbeitsprozesse lähmen. Es sollte also geklärt werden, dass gerne gebetet werden darf, solange dies zum Beispiel in den Pausen geschieht und den Betrieb nicht stört.

Beispiel Bäcker & Konditorei Modeco, Ringsted (Dänemark)
Modeco hat vier Mitarbeiter, davon zwei Auszubildende. Samer ist einer von ihnen.

"Wir haben auch früher schon Auszubildende mit Migrationshintergrund gehabt, und das hat richtig gut funktioniert. Samer hat sich gut an den Rhythmus angepasst, auch wenn unser Humor etwas bissig sein kann.

Keiner unserer Auszubildenden mit ethnischem Hintergrund ist besonders religiös. Samer ist Moslem, aber Religion interessiert ihn nicht weiter. Zwischendurch diskutieren wir über den Irakkrieg und die Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum. Es ist schon spannend zu hören, wie die Jugendlichen hier über diese Themen denken."
  
 Mehrere Azubis mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund
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Manche Unternehmen haben Bedenken, verschiedene Auszubildende mit stark unterschiedlichem kulturellem Hintergrund einzustellen.

Sie befürchten hier potenziellen Konfliktstoff, der für Ausbilder nur schwer zu durchschauen ist.

Andererseits kann der Ausbilder nicht wissen, ob Konflikte zwischen den Herkunftsländern der Auszubildenden für die Jugendlichen, die gerne eingestellt würden, tatsächlich Bedeutung haben.

Falls Sie Beratung brauchen, können Sie sich an Ihre Kommune wenden. Viele Kommunen haben inzwischen Integrationsmitarbeiter oder erfahrene Berater. Auch die Gewerkschaften und Kulturvereine können Hilfestellungen geben.

Größere Unternehmen stellen übrigens oft fest, dass die Begegnung zwischen Mitarbeitern aus verschiedenen Kulturbereichen kein Problem ist, da die zugewanderten Mitarbeiter zusammen eine Gemeinschaft am Arbeitsplatz aufbauen.
  
 Unterschied zwischen Berufsschule und Betrieb
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Die Anzahl mehrsprachiger Berufsschüler wächst. An der Berufsschule gibt es oftmals mehrere Jugendliche mit ähnlichem Migrationshintergrund, die miteinander Umgang und auch eine gemeinsame Muttersprache haben.

Für einige Jugendliche mit Migrationshintergrund kann die betriebliche Ausbildung das erste intensivere Zusammentreffen mit einer "rein deutschen Realität" abseits der Schule sein. Vielleicht ist er auch der einzige "ethnisch andere" Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Bekanntlich kann es schwer sein, sich als einziger "anders" zu fühlen. Zeigen Sie deshalb Verständnis und erzeugen Sie es auch bei Ihren Kollegen: Fast alle fühlen sich ab und zu "anders" – auch als Deutscher unter Deutschen.

6 – Das Umfeld des Azubis

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