Modul 6b – Das Verhalten des Auszubildenden

  
 Auffälliges Verhalten
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Normalerweise ist es erfreulich, wenn ein neuer Auszubildender
anfängt. Er engagiert sich in der Ausbildung und dem Betrieb. Alles ist noch neu und aufregend.

Aber irgendwann wird alles zur Routine. Und dann können die ersten Unstimmigkeiten auftreten. Der Ausbilder fragt sich, ob das unzulängliche Verhalten vorübergehend ist oder ob längerfristig Gefahr droht.
  • Wann sollte der Ausbilder eingreifen?
  • Wie sollte eingegriffen werden?
  • Wann sollte der Ausbilder Grenzen setzen?
  • Welche Konsequenzen können sich für den Betrieb und den Auszubildenden ergeben?
  
 Gefahrensignale erkennen
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Als erfahrener Ausbilder erkennen Sie Gefahrensignale, die einen Abbruch der Ausbildung ankündigen. Seien Sie aufmerksam bei folgenden Auffälligkeiten:
  • Liegen Krankheitstage typischerweise montags oder freitags?
  • Bekommt der Auszubildende einen "leeren Blick", wenn Sie ihn fragen, wie es läuft?
  • Kommt der Auszubildende morgens nicht aus dem Bett?
  • Hat der Auszubildende die Begeisterung verloren, die er anfangs hatte?
Beispiel Transportunternehmen Frode Laursen A/S, Hinnerup (Dänemark)
Der Ausbilder Jan hatte einen Auszubildenden, der jeden Morgen zu spät kam. Er fragte ihn, warum. Der Auszubildende antwortete, dass er zu spät aufstehe. Jan schlug ihm vor, den Wecker eine halbe Stunde früher zu stellen. Seitdem kommt der Auszubildende pünktlich!

Sie fragen sich natürlich, ob der einfache Rat die neue Pünktlichkeit verursacht hat oder ob das persönliche Gespräch das Wesentliche war. Jan hat den Auszubildenden auf die Bedeutung der Pünktlichkeit aufmerksam gemacht und Interesse am Alltag des Auszubildenden gezeigt.
  
 Ausbildungsreife
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Bei Problemen mit dem Auszubildenden hört man oft die Bemerkung: "Er ist noch nicht reif für eine Ausbildung."

Aber derselbe Auszubildende beweist vielleicht große Reife und Bemühungen, wenn es um Ziele geht, die er privat erreichen will.

Zur Beschreibung von „Ausbildungsreife“ gehören mehrere Faktoren:
  1. Welchen Einfluss haben der schulische bzw. persönliche Hintergrund auf die Fähigkeit, eine Ausbildung durchführen zu können?
  2. Welchen Einfluss hat die fachliche Eignung?
  3. Wie sind die Chancen, im späteren Berufsleben in der Branche bestehen zu können?
Klicken Sie hier zum ”Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife” (Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, 2009).
  
 Gesetzwidriges und kriminelles Verhalten
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Es gibt in allen Branchen Bereiche, die vielleicht als Grauzonen aufgefasst werden können. Der Auszubildende hat plötzlich eine größere Verantwortung, aber es fehlt ihm das Gespür für die Regeln im Betrieb.
  • Darf er sich das Werkzeug „ausleihen“ und mit nach Hause nehmen?
  • Darf er die beschädigte Zange behalten, die sowieso ausgewechselt werden soll?
  • Darf er überschüssige Backwaren behalten?
  • Darf er einen Stapel Kopierpapier mit nach Hause nehmen? Oder die Kopie einer Software? Schließlich muss er sich ja auf für die Abschlussprüfung auch zu Hause vorbereiten...
  • Darf er nach der Arbeitszeit einen guten Kumpel die Maschine fahren lassen?
Und es gibt leider auch bewusste kriminelle Handlungen. Hier ist es nicht die Aufgabe des Unternehmens, das Problem zu lösen. Wenden Sie sich an die entsprechende Stelle in Ihrer Kommune (Zusammenarbeit Schule – Sozialverwaltung – Polizei) und lassen Sie sich beraten, wie Sie mit der Sache umgehen sollten.

Schließlich gibt es auch noch die Schwarzarbeit, die, wie alle wissen, verboten ist. Denken Sie daran: Sie schulden die Hauptarbeitsleistung Ihrem Arbeitgeber. Unlauterer Wettbewerb durch Anbieter, die ohne Sozialversicherungsbeiträge und Steuern natürlich kostengünstiger sind, schädigt den Staat und diejenigen, die sich an die Regeln halten.

Denken Sie daran: Sie sind ein moralisches Vorbild für Ihre Auszubildenden!
  
 Rauschmittel
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Es gibt viele Arten, wie Rauschmittel eingenommen werden, zum Beispiel durch:
  • Rauchen, zum Beispiel von Zigaretten oder Joints zur Entspannung, Beruhigung oder Betäubung
  • Essen, zum Beispiel von Tabletten, um die Konzentration und Leistungsfähigkeit zu erhöhen
  • Trinken, meistens von Alkohol, zur „Entspannung“, womit oftmals die physische Abhängigkeit kaschiert wird
Machen Sie Ihrem Auszubildenden klar,
  • welche Regeln und Moralvorstellungen Sie haben,
  • was passieren kann, falls die Regeln übertreten werden (Arbeitsunfälle),
  • welche Ausnahmen es für Alkoholkonsum gibt (Geburtstage, Betriebsfeiern usw.),
  • was die arbeits- und zivilrechtlichen Konsequenzen sein können, wenn die Regeln missachtet werden.
Beispiel aus dem Gastronomiebereich
Die dänische Gewerkschaft 3F kam in einer Untersuchung zu alarmierenden Resultaten: Amphetamin, Speed und Kokain sind bei vielen Köchen und Kellnern wohlbekannte Drogen, auch bei deren Auszubildenden! Diese Mittel halten das Energieniveau hoch, während Haschisch zur Entspannung angewandt wird, wenn der Druck gewichen ist.

Die jungen Mitarbeiter haben lange Arbeitstage bei hohem Arbeitstempo und großem Leistungsdruck. Gleichzeitig arbeiten sie in einem Milieu, in dem es diese Drogen in rauen Mengen gibt. Jeder zweite Auszubildende kennt Arbeitsplätze mit Drogenmissbrauch. Es ist schwer, nein zu sagen, wenn sogar der Starkoch selbst Drogen nimmt!

Für Informationen wenden Sie sich an Drogenberatungsstellen oder die Landesstellen gegen Suchtgefahren.
  
 Fürsorge und Grenzen der Fürsorge
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Es gehört zum Aufgabenbereich eines Ausbilders, Fürsorge zu zeigen. Manchmal kann dies auch bedeuten,Grenzen zu ziehen.

Es kann notwendig werden, andere einzubeziehen:
  • die Eltern des Auszubildenden
  • die Berufsschule
  • den schulpsychologischen Dienst
  • die zuständige Stelle
  • die örtliche Suchtberatungsstelle
In manchen Kommunen gibt es eine enge Kooperation zwischen Suchtberatung, städtischer Sozialarbeit, Verwaltung, Polizei und Justiz.
  • Sie werden beraten und erhalten Informationsmaterialien.
  • Sie bekommen Gesprächstipps.
  • Sie erhalten Hinweise auch auf andere zuständige Instanzen.
  
 Kooperation mit der Berufsschule
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Lassen Sie die positive Einstellung Ihres Ausbildungsbetriebes durch Probleme mit einem "schwierigen" Auszubildenden keinen Schaden nehmen. Bevor ein Konflikt aufkommt: Nehmen Sie zum Klassenlehrer des Auszubildenden Kontakt auf.

Berufsschulen haben pädagogisches Fachwissen und vielfältige Erfahrungen mit "schwierigen" Schülern. Es liegt im Interesse aller, einander zu helfen.

Falls dennoch schwerwiegende Streitigkeiten entstehen, muss aber natürlich die zuständige Stelle einbezogen werden.
  
 Die Mutter ist dabei
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Vielerorts hört man über dieses Phänomen: Mama ist dabei!

Obwohl die Jugendlichen zu selbstständigen Entscheidungen und Handlungen erzogen werden, können sowohl Berufsschulen als auch Ausbildungsbetriebe davon berichten, dass die Mutter großen Einfluss auf das Ausbildungsverhältnis hat.

Die Mutter beeinflusst die Wahl des Ausbildungsplatzes und nimmt manchmal auch am Einstellungsgespräch teil. Mama ruft an, wenn der Auszubildende Probleme hat. Mama beschwert sich beim Betrieb. Mama ruft die Gewerkschaft an.

Einem 42-jährigen Gesellen mag es seltsam erscheinen, dass Mama den jungen Mann von der Arbeit abholt, wie damals aus dem Kindergarten.

Aber anstatt sich über den Auszubildenden lustig zu machen, sollte der Ausbilder das Einmischen der Mutter begrenzen. Der Jugendliche muss sich von jetzt an in einer Erwachsenenwelt allein bewegen können. Er wird ein ausgelernter Facharbeiter werden – auf seine eigene Art.

6 – Das Umfeld des Azubis

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