Modul 6a – Jugendkultur

  
 Die wichtigsten Ergebnisse
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  • Angebot an Ausbildungsplätzen steigt: 21 Prozent der Unternehmen wollen 2012 mehr ausbilden, 18 Prozent weniger, 61 Prozent halten ihr Ausbildungsangebot aufrecht. Damit halten mehr als 80 Prozent der Unternehmen ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht bzw. vergrößern es sogar. Die Dynamik des Zuwachses lässt im Vergleich zum Vorjahr zwar etwas nach. Trotzdem nimmt das Ausbildungsplatzangebot erneut zu. Die Fachkräftesicherung durch eigene Ausbildung besitzt bei den Unternehmen damit höchste Priorität – die Ausbildungschancen der Jugendlichen verbessern sich auch 2012.
  • Mittelstand erweist sich erneut als Stütze des Ausbildungsmarktes: Die Ausbildungspläne von Unternehmen mit 10 bis 199 Beschäftigte bleiben auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Auch die Pläne der Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten weisen auf ein Plus an Ausbildungsangeboten hin, wenn auch die Ausweitung etwas weniger stark ausfällt als im Vorjahr. Im Branchenvergleich sind es die Industrie und das Gastgewerbe, die ihr Ausbildungsplatzangebot am stärksten ausbauen.
  • Verdrängungswettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt: Die Ausweitung des Ausbildungsplatzangebotes der vergangenen Jahre insbesondere bei mittleren und großen Betrieben führt dazu, dass insbesondere kleinere Betriebe keine geeigneten Auszubildenden mehr finden. Der Anteil der Betriebe, die 2011 Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze hatten, lag bei 21 Prozent. Insgesamt 60.000 Ausbildungsplätze blieben 2011 allein im IHK-Bereich unbesetzt.
  • Gute Aussichten nach der Ausbildung – Übernahmepläne der Unternehmen steigen weiter: 2012 geben 59 Prozent der Betriebe an, den Großteil ihrer neu ausgebildeten Fachkräfte übernehmen zu wollen – fünf Prozentpunkte mehr als 2011. Im Branchenvergleich planen insbesondere Banken und Versicherungen sowie Industrieunternehmen eine sehr hohe Übernahmequote. Auch im Gastgewerbe wächst die Übernahmeneigung deutlich. Für Unternehmen, die keine Auszubildenden mehr finden, spitzt sich die Fachkräftesituation weiter zu, da auch nach der Ausbildung der Wettbewerb um die jungen Menschen zunimmt.
  • Unternehmen umwerben Jugendliche: Die Unternehmen engagieren sich noch stärker als in den Vorjahren, um Jugendliche zu gewinnen. Besonders stark setzen die Unternehmen auf Kooperationen mit Schulen, bieten mehr Praktikumsplätze für Schüler an und verbessern ihr Ausbildungsmarketing. Beim Ausbildungsmarketing dienen das Internet und verstärkt auch die sozialen Medien als wichtige Instrumente.
  • Unternehmen stellen sich auf schwächere Bewerber ein – Sozialkompetenzen müssen stimmen: Mehr als drei Viertel der Unternehmen, die Ausbildungshemmnisse nennen, stellen unzureichende schulische Qualifikationen und persönliche Kompetenzen bei den Bewerbern fest. Insbesondere mangelnde Softskills werden zunehmend zum Ausbildungsproblem. Gleichzeitig sagen fast 40 Prozent der Ausbildungsunternehmen, dass sie bereit sind, Ausbildungsplätze auch mit lernschwächeren Jugendlichen zu besetzen, wenn sie motiviert, leistungsbereit und zuverlässig sind. Mehr Infos unter www.dihk.de

Quelle: Ausbildung 2012 – Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung, DIHK e.V. Berlin 2012

  
 Individualisierung
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Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Phase, die ganz im Zeichen der Individualisierung steht: in den Familien, in der Freizeit, in den Schulen und im Job. Institutionen wie Kirchen und Gewerkschaften sowie gesellschaftlich dominierende Bindungsmuster wie die Ehe verlieren an Bedeutung.

Wie reagieren die Jugendlichen darauf, in einer individualisierten Welt zu leben? Allgemein gesagt, begegnen sie diesen Anforderungen auf zweierlei Weise:

Die "starken" Jugendlichen nutzen die Individualisierung und erleben sie als Vorteil. Sie haben früh gelernt, Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu handeln.

Die "schwachen" Jugendlichen fühlen sich unter Druck. Wenn man Tag für Tag für sein eigenes Glück verantwortlich ist, ist man auch selbst "Schuld", wenn man auf Widerstand trifft oder etwas schiefläuft. Von außen kommende Probleme sowie ein problematischer sozialer Hintergrund können also nicht länger persönliche Probleme erklären. Das kann als Machtlosigkeit empfunden werden und zu schwierigem Verhalten führen.

Die Wahl des Ausbildungsplatzes wird oft auch dazu genutzt, das eigene Profil zu individualisieren. Aber nicht alle können „Superstars“ werden! Gleichzeitig fühlen viele junge Leute, dass sie vor der "Wahl ihres Lebens" stehen, was ihnen sehr schwer fällt.

Das heißt, sie können in eine Phase kommen, in der sie sich mit ihrer Wahl abfinden und einsehen müssen, dass man nicht innerhalb von drei Tagen Weltmeister wird.
  
 An die Hand genommen werden
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 Die beschriebenen Tendenzen unter den Jugendlichen
spiegeln das Verhalten und die Einstellung der Eltern und der Gesellschaft wider.

Die Eltern haben in das Kind investiert, genau wie in ihr übriges Leben mit Karriere, Haus oder Reisen. Die Eltern beschützen das Kind überall, fahren es zur Schule und zu den zahlreichen Freizeitaktivitäten, sie fordern das Beste für das Kind in der Schule usw.

Das heißt, der Jugendliche soll selbstständig sein, ist jedoch gewohnt, umsorgt zu werden. Er hat das Gefühl, die wichtigste Person zu sein, der stets jemand den Weg ebnet. Viele Jugendliche sind relativ unselbstständig. In der Ausbildung wird aber erwartet, dass sie initiativ sind und sich aktiv den Herausforderungen des Berufslebens stellen.
  
 Konsum
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In den letzten Jahrzehnten hat Deutschland sich zu einer Gesellschaft entwickelt, in der Lebensqualität mit Konsum gleichgesetzt wird. Damit sind die Jugendlichen aufgewachsen. Verglichen mit früheren Generationen haben die jungen Leute viel Geld – und sie geben es auch aus.

Sie kennen die teuren Marken und deren Prestige. Jugendliche inszenieren sich über Konsum – wenn das Geld dazu vorhanden ist. Für andere Jugendliche kann die Konsumkultur eine Herausforderung sein, die sie nicht meistern können.

Für sie ist wichtig, die Werte des Unternehmens zu vermitteln:
  • Wie passen das Auftreten und die Inszenierung des Jugendlichen zur Unternehmenskultur?
  • Welche Unternehmenspolitik haben Sie in Bezug auf Verbrauch der Betriebsmittel?
  
 Männer und Frauen
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Einige Branchen sind entweder traditionelle Männer- oder Frauenbranchen gewesen. Langsam ändert sich das. Dazu hat unter anderem die technologische Entwicklung beigetragen.

Gibt es Unterschiede beim Ausbilden von jungen Frauen und Männern? Denken Sie bitte daran: Der junge Mensch macht keine Ausbildung, um eine Sonderbehandlung zu bekommen, sondern um eine kompetente Fachkraft zu werden.

Dennoch kann es ein Thema sein, wenn ein Mädchen an einen „Männerarbeitsplatz“ kommt oder umgekehrt. Männer und Frauen sind vielleicht nicht so verschieden, aber einiges kann geschlechtsspezifisch sein, im Guten wie im Schlechten.

Ihre Aufgabe ist, die Fachkenntnis zu sichern und für optimale Ausbildungsverhältnisse zu sorgen.

Können Sie aktiv den positiven Einfluss nutzen, den ein weiblicher oder männlicher Auszubildender auf das Lern- und Arbeitsklima hat? Aber achten Sie darauf, den Auszubildenden nicht auf die Sonderrolle festzulegen, die er dadurch eventuell bekommt.
  • Achten Sie auch darauf, dass bei Ihnen kein Mobbing vorkommt. Kann der neue Auszubildende sich zum Beispiel durch den Umgangston im Betrieb verletzt fühlen?
  • Auch rein praktische Überlegungen ergeben sich: Bei der erstmaligen Beschäftigung von Personen des anderen Geschlechts müssen geschlechtsspezifische Besonderheiten beachtetet werden (getrennte Toiletten, Umkleideräume usw.).
Aussage eines Ausbilders in einem industriellen Großunternehmen
"Sobald nur ein Mädchen in die Gruppe kommt, ändert sich der Ton. Es kommt zu mehr Offenheit und mehr Geduld."
  
 Neue Typen von Jugendlichen
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 Die Haltung im Betrieb
Man hört es oft: "Die Jugendlichen sind nicht mehr so wie wir damals."

Nein, natürlich nicht. Die Zeiten ändern sich, neue Möglichkeiten und neue Werte kommen hinzu. Einige der „guten alten Werte“ sind verschwunden. Das kann man vielleicht bedauern. Die Frage ist also:
  • An welchen der alten Werte sollten wir bei uns festhalten?
  • Welche neuen Werte können wir in unseren Betrieb integrieren?
Schon bei der Einstellung sollten Sie die Erwartungen an den Auszubildenden und des Auszubildenden geklärt haben.
  • Verfolgen Sie das Thema in den Feedback-Gesprächen.
  • Berücksichtigen Sie die betriebliche Lernspirale und die verschiedenen Lerntypen, wenn Sie dem Auszubildenden den Sinn von Routineaufgaben erklären (siehe dazu Modul 5c – Kompetenzen und Lernen).
  • Erhöhen Sie langsam die Anforderungen an Ihren Auszubildenden.
Das äußere Erscheinungsbild
Die Individualisierung zeigt sich auch im Verhältnis der jungen Leute zu ihrem Äußerem, zum Beispiel an Kleidung, Schmuck, Piercings, Tätowierungen usw. Dies gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.
  • Manche Jugendliche sind sehr kreativ und drücken sich über ihr Erscheinungsbild aus. Sie betreiben Fitness, habe schicke Sachen an und achten auf ihren Körper.
  • Bei anderen besteht schon ein Überverbrauch, zum Beispiel an Kleidung und Pflegemitteln.
  • Eine extreme Tendenz ist, dass verletzliche Jugendliche (meist Mädchen) den eigenen Körper beschädigen, indem sie sich Schnittwunden zufügen (sogenannte "Cutter").
Bitte denken Sie daran: Ein Ausbilder ist kein Sozialarbeiter. Ein Teil der Jugendlichen ist weitaus verletzlicher, als Sie vielleicht denken. Als Unternehmen haben Sie nicht unbedingt die Möglichkeiten, um diesen Jugendlichen zu helfen. Beanspruchen Sie deshalb professionelle Hilfe!

Machen Sie jedoch ruhig darauf aufmerksam, falls Sie meinen, dem Jugendlichen fehlen Kraft und Ausdauer, zum Beispiel im Baubereich. Schlagen Sie ihm Krafttraining oder Jogging vor.

Beispiel eines Betriebs aus dem Bereich Sanitär Heizung Klima:
Das Unternehmen Niels Mølgaard A/S in Aarhus mit seinen rund 30 Mitarbeitern hat eine eigene Fußballmannschaft gegründet. Das bringt nicht nur etwas für die physische Entfaltung, sondern auch für den Zusammenhalt im Betrieb.
  
 Kommunikation und Zeitempfinden
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Innerhalb der letzten Jahrzehnte ist die Entwicklung der Kommunikationstechnologie explodiert. Für Jugendliche sind Handys, Chat oder Blogs etwas völlig Normales.

Dies hat zu neuen Kommunikationsmustern geführt: Man muss zum Beispiel keine festen Termine mit Freunden mehr vereinbaren, da man ja sowieso ständig in Kontakt ist. Wenn man Lust hat, trifft man sich irgendwo. Und dann ist die Gruppe gleich wieder irgendwo anders...

Aus demselben Grund machen Jugendliche oft mehrere Dinge gleichzeitig, zum Beispiel eine SMS schreiben und an einem Gespräch teilnehmen.

Die jungen Leute sind also Meister darin, sich schnell umzustellen, mobil und scheinbar "Multitasking"-fähig zu sein.

Aber es fehlt ihnen vielleicht die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und sich in feste Rahmenbedingungen zu integrieren. Tauschen Sie sich deshalb darüber aus, welche Vereinbarungen und Anschauungen bei Ihnen gelten.
  
 Die Jobnomaden
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Jeder sechste Jugendliche hat Aussicht auf eine Zukunft als "Endlos-Zapper" zwischen verschiedenen Ausbildungen, Aktivierungsprogrammen und losen Jobs. Dies sind junge Leute, die zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten haben, sich nicht zusammenreißen können, einen sozial schwierigen Hintergrund haben oder stets irgendetwas anderes wollen, als zurzeit gerade möglich ist.

Ein Lösungsansatz kann sein, sich auf den einzelnen Jugendlichen zu konzentrieren, um dessen Situation zu klären und seine Kompetenzen zu identifizieren. Aber die Lösung ist nicht einfach: Schafft der Jugendliche es, die gebotenen Chancen zu ergreifen und haben wir angemessene Angebote für seine Situation?
  
 Jugendliche mit Migrationshintergrund
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Eine der großen Herausforderungen ist, dass wir mehr und mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenleben. Oftmals sind wir den Umgang mit anderen Kulturen im Alltag aber nicht geübt.

Uns fehlt die Einsicht in die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die vielleicht täglich zwischen zwei Kulturen und zwei Wertesystemen stehen.

Für den Einzelnen kann dies sehr problematisch sein. Aber vielleicht hat es den Jugendlichen reifen lassen und ihm eine große Stärke gegeben: Einfühlungsvermögen, sprachliche Kompetenzen, Verhandlungskompetenzen, historisches und geografisches Wissen, sich zu trauen, anders zu sein, usw.
  • Braucht Ihr Auszubildenden bei diesem Prozess Unterstützung?
  • Oder können Sie sogar vom Entwicklungsprozess des Auszubildenden und seinen Kompetenzen lernen?

6 – Das Umfeld des Azubis

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