Modul 4c – Ausbildungsmethoden

  
 Methodenauswahl
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Jeder Auszubildende ist anders und sollte daher auch anders behandelt werden. Wenn Sie möchten, dass der Auszubildende etwas lernt, ist es wichtig, seine bisherigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu kennen und zu wissen, wie er am besten lernt.

Den meisten gelingt dies durch das Ausführen einer Aufgabe. Oft müssen jedoch Inhalte vermittelt werden, bevor die Aufgabe in Angriff genommen werden kann.
  
 Ausbildung am Arbeitsplatz: verschiedene Methoden
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Die Ausbildung am Arbeitsplatz bedeutet Ausbildung durch eine Fachkraft oder einen erfahrenen Kollegen. Dieses Prinzip kann nicht nur auf Auszubildende angewendet werden, sondern auch auf neue Mitarbeiter.

Es gibt verschiedene Methoden, es umzusetzen. Die Auswahl der Methode ist abhängig vom Lernziel, von der Situation und den Vorkenntnissen des Auszubildenden. Es ist von Vorteil, zwischen den Methoden zu wechseln oder diese zu mischen.
  
 Vortrag
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Vorträge sind eine Möglichkeit, verbal Wissen zu vermitteln. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollten Ihre Ausführungen durch verschiedene Medien unterstützt werden.

Der Auszubildende ist Ihr Publikum und nimmt eine passive Rolle ein. Deshalb eignet sich diese Methode nicht dafür, praktische Arbeitsprozesse zu vermitteln. Außerdem haben Sie keine direkte Kontrolle, wie viel von Ihren Ausführungen "hängen bleibt".

Folgende Grundsätze sollten Sie bei einem Vortrag beachten:
  • Bereiten Sie den Vortrag vor. Prüfen Sie, was Sie vermitteln wollen, und lassen Sie überflüssige Details aus. Passen Sie den Vortrag in Inhalt und Wortwahl dem Kenntnisstand Ihres Publikums an.
  • Verwenden Sie eine angemessene Zeitspanne für Erklärungen – die volle Konzentrationsfähigkeit Ihres Publikums ist zeitlich begrenzt.
  • Achten Sie auf die Atmosphäre, in der Sie Ihren Vortrag halten. Vermeiden Sie Störungen und Unterbrechungen.
  • Gestalten Sie Ihren Vortrag so interessant wie möglich. Sprechen Sie flüssig und nutzen Sie verschiedene Medien, um Ihre Inhalte zu unterstreichen.
  
 Die Vier-Stufen-Methode
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Diese Methode hat den Vorteil, dass Fertigkeiten schnell vermittelt werden, und das aufgrund der ständigen Aufsicht ohne großes Fehlerrisiko. Der Ansatz ist vor allem geeignet für Aufgaben mit besonderen Sicherheitsanforderungen für die Gesundheit der Mitarbeiter oder auch für teure Maschinen oder Materialien.

Die Methode wird oft zur Erklärung und Demonstration von praktischen Arbeitsprozessen verwendet. Der Ausbilder übernimmt bei den beiden ersten Stufen den aktiven Part, bei den Stufen 3 und 4 ist der Auszubildende an der Reihe.

Die Vier-Stufen-Methode beinhaltet folgende Schritte:

1. Vorbereitung
Alle Materialien und Werkzeuge müssen vorhanden sein und in der richtigen Reihenfolge bereitliegen. Bereiten Sie Ihre Beschreibung des Arbeitsprozesses vor: Planen Sie Inhalt, Ausführlichkeit und Gliederung der 4-Stufen-Methode und verlieren Sie die Zeit nicht aus dem Blick!

2. Vormachen und Erklären
Führen Sie den Arbeitsprozess vor, indem Sie ihn Schritt für Schritt selbst ausführen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht verdecken, was Sie tun, und dass Sie klar und verständlich sprechen. Unter Umständen sollte der Auszubildende sich Notizen machen. Erklären Sie den Arbeitsprozess und die Fachbegriffe vor und während des Vormachens.

Wenn Sie einen Arbeitsprozess beschreiben, beachten Sie folgendes:
  • Teilen Sie den Vorgang in einzelne, kurze Abschnitte.
  • Machen Sie auf schwierige Abschnitte aufmerksam.
  • Weisen Sie explizit auf Risiken hin.
  • Berücksichtigen Sie Handgriffe und Körperhaltung. Weisen Sie auf alle wichtigen Fakten hin: Risiken, Qualitätsvorgaben, Kundenwünsche etc.
  • Wenn möglich, bereiten Sie Ihre Ausführungen als Handout vor. Beantworten Sie dabei immer folgende Fragen: Was tue ich bei jedem Schritt? Wie führe ich jeden einzelnen Schritt aus? Was sind die wichtigen Fakten und wieso?
3. Nachmachen und Erklären lassen
Lassen Sie den Auszubildenden die Aufgabe selbst ausführen. Beaufsichtigen Sie ihn, beobachten Sie genau und greifen Sie, wenn nötig, ein. Lassen Sie den Auszubildenden mit eigenen Worten erklären, was er tut, wie und warum er es tut und was er vor, während und nach dem Arbeitsprozess beachten muss.

4. Abschluss und selbstständiges Üben
Überprüfen Sie das Ergebnis. Nehmen Sie nötige Korrekturen vor, dann lassen Sie es den Auszubildenden noch mal versuchen. Im Anschluss lassen Sie den Auszubildenden diese Aufgabe regelmäßig wiederholen, jedes Mal mit größerer Eigenständigkeit. Auf diese Weise wird sich der Arbeitsprozess mit allem wichtigen zugehörigen Wissen verfestigen.
  
 Präzision
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Manche glauben, es sei ausreichend, wenn der Auszubildende dem Ausbilder über die Schulter schaut, bevor er die Aufgabe selbst erledigt.

Es ist gut, Arbeitsprozesse praktisch vorzuführen, wenn man sie schwierig erklären kann. Aber der Auszubildende ist ein Laie und benötigt deshalb Erklärungen zu Vorgängen, die für eine erfahrene Kraft selbstverständlich sind.

Daher:
  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Erklärungen, auch wenn es schwierig scheint, die richtigen Worte zu finden.
  • Überprüfen Sie, ob der Auszubildende alles verstanden hat.
  
 Das Lehrgespräch
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Das Lehrgespräch ist eine verbale Methode, nach der der Ausbilder im Dialog mit dem Auszubildenden Inhalt und Richtung bestimmt. Durch zielgerichtetes Fragen werden bestimmte Denkprozesse ausgelöst und der Auszubildende lernt durch seine eigenen Schlussfolgerungen. Diese Methode eignet sich für einzelne Auszubildende wie für Gruppen.

Als Ausbilder können Sie den Fragen eines Auszubildenden auf zwei Arten begegnen: Entweder Sie beantworten die Frage oder Sie leiten den Auszubildenden an, die Antwort selbst herauszufinden.

Durch die eigenständige Beantwortung von Fragen lernt der Auszubildende Verschiedenes. Analyse einer Frage, Hinterfragen und das Finden von Problemlösungen bewirken, dass der Auszubildende sich erneut mit dem bereits Gelernten auseinandersetzt und sich wichtiges Wissen festigt. Damit profitieren Sie als Ausbilder von der Effektivität des Lehrgespräches – ob auf theoretischer oder praktischer Ebene. 

1. Darstellen
Stellen Sie das Problem dar oder zeigen Sie dem Auszubildenden den Arbeitsablauf – ohne weiterführende Erklärungen.

2. Fragen
Fragen Sie den Auszubildenden nach seinem Ansatz, das Problem zu lösen.

3. Zuhören und fragen
Hören Sie den Ausführungen des Auszubildenden genau zu und seien Sie offen für seine Anregungen. Fragen Sie nach praktischen Einzelheiten. Fragen Sie, warum sich der Auszubildende für diesen Lösungsweg entschieden hat.

4. Einschätzung
Entscheiden Sie wertneutral, ob der Vorschlag des Auszubildenden durchführbar ist. Wenn nicht, erklären Sie, warum nicht. Fangen Sie von vorn an oder legen Sie das Problem noch einmal deutlich dar.

5. Umsetzung
Der Auszubildende darf seinen Vorschlag nun in die Tat umsetzen. Sorgen Sie dafür, dass er ein Feedback erhält.

Beachten Sie:

Wenn es mehrere Lösungswege gibt, kann man den Auszubildenden selbst nach einer geeigneten Lösung suchen lassen. Beispiele hierfür sind kreative Aufgaben oder Kundenkontakte – also keine Aufgaben, bei denen wertvolle Materialien verschwendet werden können. Die Methode eignet sich nicht, wenn die Zeit drängt oder wenn ein Anfängerfehler Schaden an Gesundheit, Maschinen oder Materialien anrichten könnte. In dem Fall haben Sie die Pflicht, den Auszubildenden zu beaufsichtigen und anzuweisen. Nehmen Sie sich Zeit, ihm zuzuhören, und seien Sie sich seiner Unsicherheiten bewusst.
  
 Demonstrationsmethode
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Betriebliche Tätigkeiten werden zu Ausbildungs- 
situationen umgewandelt und für die Bearbeitung am Arbeitsplatz so aufbereitet, dass Lernen und Arbeiten miteinander verknüpft werden. Da der Auszubildende selbstständig einen realen (Kunden-) Auftrag bearbeitet, muss dem Lernauftrag eine besonders sorgfältige Analyse der bereits vorhandenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten vorausgehen. Diese Methode bietet die Chance, viele Inhalte miteinander zu verknüpfen und berufliche Handlungsfähigkeit in besonderem Maße zu fördern.

4 – Der Ausbilder

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