Modul 3e – Ausbildung mit internationaler Perspektive

  
 Ein (angerechneter) Auslandsaufenthalt
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Die Welt wird immer internationaler. Darauf hat die Bundesregierung reagiert und diese Veränderung findet sich auch im Berufsbildungsgesetz (BBiG) wieder.

Für junge Leute ist es möglich, einen Teil ihrer Ausbildung außerhalb der Landesgrenzen durchzuführen. Und mehr und mehr Auszubildende nehmen diese Chance wahr. Dadurch erhöht sich die Mobilität der zukünftigen Arbeitnehmer.

Ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung wird durch das BBiG ausdrücklich als Möglichkeit genannt. Die Dauer des Auslandsaufenthalts soll ein Viertel der in der Ausbildungsordnung vorgesehenen Ausbildungsdauer nicht überschreiten. Diese Zeit wird als Teil der Ausbildung anerkannt.

Die Kammer genehmigt die Ausbildung im Ausland vorab. Dadurch wird sichergestellt, dass die ausländische Stelle offiziellen deutschen Ansprüchen entspricht.

Beispiel Schreinerei S. Guldfeldt Nielsen A/S, Odense (Dänemark), Meister Jens Ibsen
Seit Anfang der 90er-Jahre eröffnet der Betrieb auf der dänischen Insel Fünen für seine Auszubildende die Möglichkeit, nach Deutschland, Irland, Schottland und Grönland zu gehen.

"Wir sind ein typischer Betrieb auf dem lokalen Markt. Trotzdem ist es uns wichtig, dass die Auszubildenden einen Teil der betrieblichen Ausbildung im Ausland absolvieren können. Sie kommen als ‚neue Menschen’ zurück mit deutlich größerem Selbstbewusstsein. Sie können auf eigenen Füßen stehen – und das verschafft uns bessere Mitarbeiter.

Es erfordert viel von einem 19- bis 20-Jährigen, das eigene soziale Milieu zu verlassen. Viele Jugendliche können sich nicht vorstellen, dass es ein anderes Leben gibt als das, das sie gerade führen – aber da müssen wir halt ein wenig helfen."

Wenn die Auszubildenden zurückkommen, bringen sie neue Erfahrungen mit, und das färbt auf den Betrieb ab: "Abgesehen davon, dass ich mich auf dem Laufenden halte und mir hinterher alles anhöre, lassen wir die Jugendlichen in unserem Mitarbeiterblatt berichten. Auf diese Art bekommen alle einen Eindruck von ihren Erlebnissen. Und wir geben einen Eindruck davon, dass da auch etwas außerhalb von Fünen passiert."
  
 Finanzielle Unterstützung und Beratung
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Viele Unternehmen kennen leider nicht die Möglichkeiten, für den Auslandsaufenthalt ihres Auszubildenden eine finanzielle Förderung in Anspruch zu nehmen.

Das EU-Programm Leonardo da Vinci kann nach Antragstellung Unterstützung bewilligen. Dies gilt für Berufsauszubildende bei einem schulischen oder betrieblichen Auslandsaufenthalt. Ein Leonardo-Antrag ist besonders zweckmäßig, wenn der Betrieb eine größere Gruppe Auszubildende hat, die ins Ausland sollen.

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Besonders Auszubildende im Hotel- und Restaurationswesen, im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in der kaufmännischen Ausbildung führen Teile ihrer Ausbildung außerhalb des eigenen Landes durch.

Norwegen, Großbritannien, Deutschland und Irland sind die Länder, die die meisten Jugendlichen anlocken.

Nicht nur große Unternehmen können mitmachen: Auch kleine und mittelgroße Betriebe erfahren Vorteile.
  
 Partnerbetriebe im Ausland
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Oftmals sind es die Auszubildenden selbst, die die Initiative ergreifen. Mehr und mehr Berufsschulen bauen starke Partnerschaften mit ausländischen Berufsschulen oder Betrieben auf.

Einige Betriebe haben selbst Kontakte ins Ausland, zum Beispiel über einen Arbeitgeberverband, über Geschäftsverbindungen, Tochtergesellschaften oder andere Verbindungen. Eine Ausbildungspartnerschaft nutzt auch dem Unternehmen selbst.

Miele A/S, Glostrup (Dänemark), ein Abteilungsleiter des Unternehmens mit 175 Mitarbeitern
"Alle kaufmännischen Auszubildenden bei Miele führen je einen dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland durch. Das ist ein natürlich integrierter Teil unserer Ausbildung geworden. Jedes Jahr befinden sich zwei bis drei Auszubildende gleichzeitig im Hauptsitz des Unternehmens. Alle Auszubildenden durchlaufen einen festen Turnus mit drei bis vier Wochen pro Abteilung in der Buchhaltung, im Einkauf, der Produktion und der Werbung.

Der Aufenthalt in Deutschland gibt den jungen Leuten einen Überblick über die Arbeitsprozesse in Dänemark und ein Gefühl für den logistischen Ablauf. Die Auslandsaufenthalte stärken das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, die Initiative zu ergreifen. Sozial und fachlich bedeuten die Aufenthalte viel für sowohl Auszubildenden als auch für das Unternehmen, das reifere und selbstständige Auszubildende zurückbekommt."
  
 Was bringt ein Auslandsaufenthalt dem Betrieb und den Auszubildenden?
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Fragt man Auszubildende zum Nutzen eines Auslandsaufenthalts, erhält man zum Beispiel Antworten wie diese:
  • neue Formen der Zusammenarbeit
  • neue Arbeitsmethoden
Der persönliche Nutzen wird so beschrieben:
  • fremde Kulturen kennenlernen
  • neuen Herausforderungen besser begegnen können
Die Unternehmen erleben im Allgemeinen, dass die Jugendlichen initiativreicher, selbstständiger und reifer zurückkehren.

Klicken Sie hier, um eine Übersicht herunterzuladen.
  
 Die Sprache
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Oftmals werden sprachliche Barrieren hervorgehoben.
Daher sollte Folgendes vorab geklärt werden:
  • Spricht der Auszubildende eine Fremdsprache,
    mit der er im Ausland zurechtkommen kann?
  • Beherrscht man im ausländischen Betrieb ein ausreichendes Englisch oder eine andere Sprache, die der Auszubildende versteht?
Auch wenn nicht sehr große Anforderungen an das schriftliche Ausdrucksvermögen bestehen, sollte der Auszubildende vorab die grundlegenden Ausdrücke in der Fremdsprache erlernt haben.


Es ist meistens sinnvoll, den Auszubildenden vorab einen Sprachkurs machen zu lassen. Alternativ kann die Vorbereitung auf Fachausdrücke auch über Fachzeitschriften oder Präsentationsmaterialien aus der Branche erfolgen.

Weitere Tipps:
  • Gibt es im Ausland andere deutsche Auszubildende in der Nähe?
  • Kann ein Netzwerk aufgebaut werden, das eventuell auch in Zukunft nutzbar sein wird?
  
 Internationale Wettbewerbe
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Die Teilnahme an internationalen Wettbewerben bietet die Gelegenheit, sowohl den eigenen Betrieb als auch den eigenen Beruf zu profilieren.

Die Teilnahme an einer Wettbewerb kann ein guter Anreiz für Ihre jungen Talente sein. Die Jugendlichen verschaffen sich wahrscheinlich sogar ein Netzwerk quer über die Grenzen hinweg.

In vielen Branchen gibt es mehrere Meisterschaften. Erkundigen Sie sich bei der zuständigen Stelle oder an der Berufsschule! Gute Auskünfte geben die sogenannten Mobilitätsberater der Kammer unter www.mobilitaetscoach.de.
  
 Hier gibt es Hilfe
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Die Stellen und Ämter, bei denen Zuschüsse für einen Auslandsaufenthalt beantragt werden können, ändern sich von Zeit zu Zeit.

Lassen Sie sich deshalb zunächst in den Kammern beraten.

3 – Die Berufsausbildung

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